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Nebelkind ...
In der Urlaubsidylle Andalusiens verschwindet ein Kind. Und gewisse Villenbesitzer haben etwas dagegen, dass man ihren Garten fotografiert. Therapeutin Klara Keitz ist klug und neugierig und stößt auf ein abscheuliches Geschäft. Kann man die Drahtzieher überführen?
Die Dortmunder Psychiaterin Klara Keitz, spezialisiert auf Traumapatienten und Missbrauch, freut sich auf die Ferien mit ihren andalusischen Freunden in Conil. Sie will dem spanischen Paar dabei helfen, ein schönes Haus zu finden. Die Digitalkamera griffbereit, besichtigt sie mit Freundin Camila eine abgelegene Villa, als ihr ein einsames Kind im Nachbargarten ins Auge fällt. Klara knipst drauflos doch erst die heftige Reaktion der Hausbesitzerin und der kurz darauf folgende Einbruch in ihr Hotelzimmer bringen Klara und Camila zu der Überzeugung, dass hier etwas nicht stimmt. Ihre Nachforschungen fördern eine grauenvolle Vorgeschichte zutage: Mutter und Tochter machten Strandferien in Andalusien. Plötzlich war das elfjährige Mädchen verschwunden, die Polizei fand keine Spuren oder wollte keine finden?
Die Frauen erhalten unerwartete Hilfe und stoßen auf ein Foto mit einer blauen Katze. Diese Fährte bringt sie auf die Spur eines lukrativen Verbrechens: Kinderprostitution für reiche Industrielle mit ausgefallenen Wünschen. Nun geht es darum, die einflussreichen Macher dranzukriegen …
Mit der bestmöglichen Mischung aus Suspense, Feinfühligkeit und Drastik legt Petra Pfänder als Debüt einen extrem fesselnden Krimi vor.
Leseprobe
»Der Nebel irritiert schon ein bisschen.« Klara erkannte, dass sie bereits zum dritten Mal in den kleinen Weg durch das Kiefernwäldchen einbogen.
»Aber ich bin sicher, es ist hier ganz in der Nähe.« Camila klang nicht wirklich überzeugt.
Wolken hingen tief am Himmel, am Boden waberte ein Nebelteppich. Die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft trug durch die geöffneten Fenster einen intensiven Geruch von nasser Erde und Piniennadeln in den Wagen.
»Hier ist es doch wunderschön. Außerdem regnet’s im Augenblick nicht. Vielleicht sollten wir erst mal eine kleine Pause einlegen, was essen und uns dann noch mal neu orientieren.« Klara schielte sehnsüchtig nach der Picknicktüte.
»Oder vielleicht ist Marisol bis dahin erreichbar.« Camila legte ihr Handy auf das Armaturenbrett. »Ich fahr nur noch ein Stückchen weiter, bis ich wieder ein Netz hab. Hier scheint gerade ein Funkloch zu sein.«
»Sind wir an diesem Tor vorhin auch schon vorbeigekommen? Kann das das Haus sein?« Klara musterte beeindruckt ein riesiges schmiedeeisernes Tor, dessen Zwischenräume sorgfältig mit Schilf abgedichtet waren.
»Nein, viel zu groß. Guck mal, wie lang der Zaun ist.«
Die schulterhohe Mauer reichte, so weit die beiden sehen konnten. Eisenstäbe, die ebenfalls blickdicht mit Schilf verflochten waren, setzten sie in die Höhe fort.
»Wer hier wohl wohnt?« Nach einem zufriedenen Blick auf das Display des Handys parkte Camila den Mini am Wegrand neben dem Kieferngehölz und ging zum Tor, während Klara eine Filzdecke vor dem Auto ausbreitete und Gläser aufstellte. Der Nebel und der weiche Waldboden dämpften alle Geräusche.
»Gar kein Namensschild an der Tür«, stellte Camila fest.
Klara arrangierte konzentriert das Essen auf Papptellern und kramte nach Besteck.
»Das sieht ja unglaublich romantisch aus. Das musst du dir ansehen, Klara! Bring die Kamera mit!« Camila hatte sich auf die Zehenspitzen gestellt und ein Loch ins Schilf gebohrt, durch das sie jetzt völlig ungehemmt in den fremden Park spähte.
»Was machst du denn da? Bist du unter die Spanner gegangen?« Klara biss ein riesiges Stück von einer Käse-enchilada ab und holte friedlich kauend ihre Digitalkamera aus dem Auto.
»Siehst du da vorn, das verkleidete Mädchen? Irre, wie vor hundert Jahren. Es sieht richtig echt aus, als wär die Zeit stehen geblieben, ein märchenhaftes Bild.«
Klara pulte sich ein eigenes Loch in das Schilfgras, das mit dünnem Draht verstärkt war. Sie konnte eine weitläufige Wiese erkennen, getupft von knorrigen Olivenbäumen und einzelnen Sträuchern, das Grün schillernd vor Nässe. Jasmin wehte seinen Duft herüber, die zarten Blüten waren kaum zu sehen in den wehenden Nebelschwaden.
Am Ende einer lang gestreckten Auffahrt an der rechten Seite des Parks stand eine zweistöckige weiße Villa, die von spitz aufragenden Zypressen flankiert wurde. Die Fensterläden aus braunem Holz waren im ersten Stockwerk geschlossen. Im Erdgeschoss standen die Flügel der breiten Terrassentüren weit offen. Unwirklichkeit lag über der Szenerie. Selbst die Vögel schwiegen.
An den Stamm einer hochgewachsenen Pinie gelehnt saß regungslos ein Mädchen. Sie trug ein altmodisches, wallendes, weißes Rüschenkleid und schwarze Stiefel. Das bauschige silberblonde Haar und die blasse Haut verschmolzen mit den Nebelschleiern. Ihre absolute Starre alarmierte Klara. Sie schaltete die Kamera ein und zoomte das merkwürdige Kind durch das leistungsstarke Objektiv heran. Klara spürte, wie sich ihr sämtliche Haare aufstellten und sie ein Gefühl des Grauens beschlich.
»Ach du Scheiße, das ist überhaupt nicht romantisch.« Klara flüsterte und bemerkte, dass sie versuchte, sich lautlos zu bewegen. Immer wieder drückte sie auf den Auslöser der Kamera.
Erste Regentropfen klatschten auf die Erde, aber das seltsame Mädchen rührte sich nicht, sondern schaute weiter auf einen Punkt, den nur sie sehen konnte.
»Würden Sie bitte vom Zaun weggehen und mir Ihren Film geben?«, forderte eine eisige Stimme hinter Klaras Rücken.
Petra Pfänder, geboren 1961, jobbte nach der Schule im In- und Ausland als MTA, Siebdruckerin, Telefonistin, Kellnerin u.v.m., studierte dann Film-, Fernseh- und Theaterwissenschaften und Germanistik, bekam 1990 eine Tochter und machte 1992 ihre Examen. Sie arbeitete als freiberufliche Journalistin für Hörfunk und diverse Printmedien und war seit 1998 beteiligt am Aufbau des Internetauftritts der Stadt Dortmund, wo sie mittlerweile fest als Online-Redakteurin tätig ist. Die blaue Katze ist ihr erster Krimi..
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